Disclaimer: Die in der folgenden Erzählung umrissenen Ereignisse sind ziemlich frei erfunden. Ähnlichkeiten mit wirklichen Personen, Niederlagen und Schiffen sind fast rein zufällig. Die Stimmen der Gaststars sind imitiert - und zwar schlecht. Die folgende Erzählung enthält einige schlimme Wörter, und auf Grund ihres Inhalts sollte sie von niemandem gelesen werden.
 
Jokeyschlumpf
 
A Pirate's Tale - Schiffbruch aus Leidenschaft

Alexander Anonymovitch (Name von der Redaktion geändert) wanderte mit gezücktem Säbel durch die Hauptstadt der stinkereichen Nieserländer, während um ihn herum die Schlacht tobte. Seine Schiffe hatten das Kastell der Stadt erfolgreich ausgeschaltet und bombardierten jetzt strategisch unwichtige Gebäude, während Entertrupps an Land gegangen waren und plünderten, mordeten und brandschatzten. Der Pulverdampf stach in seiner Nase, über all dem Gemetzel und den schrillen Schreien der Verwundeten hallte der dumpfe Kanonendonner, und...
 
Jemand schüttelte ihn. Das war umso merkwürdiger, als er niemanden in seiner Umgebung sehen konnte. Doch das Schütteln hörte nicht auf.
 
Resigniert ergab er sich seinem Schicksal und erwachte aus seinem wundervollen Traum. Nur allzubald sollte seine Phantasie Wirklichkeit werden...

 
"Gouverneur! Aufwachen!" Ein Kammerdiener rüttelte ihn immer noch, obwohl er doch wach war. Noch immer hörte er den Schlachtenlärm aus seinem Traum. Er bildete sich sogar ein, das flackernde Licht einer brennenden Stadt durch seine großen Fenster scheinen zu sehen. Schreie, Pulverdampf ... dieser Traum wich wirklich widerwillig.
"Wir werden angegriffen! Kapereinheiten befinden sich bereits in der Stadt!" rief der Kammerdiener einer Panik nahe, während er versuchte, Anonymovitch zugleich Rock, Hose und Säbelgehänge überzuziehen.
 
Kein Traum! "Kein Traum?"
 
"Kein Traum." Der Kammerdiener brachte endlich etwas Sinn in seine Bemühungen. Anonymovitch schubste den Idioten gegen den Kleiderschrank, ehe er im Schlafrock aus dem Schlafzimmer stürmte, um der Schlacht hoffentlich die entscheidende Wende zu verpassen.
 
Im Schlafrock, die Schlafmütze noch auf dem Kopf, den Säbel schwingend, stürmte Anonymovitch, zu allem bereit, die Treppe seines Anwesens herunter. Auf dem Vorplatz waren bereits einige Angreifer dabei, Brände zu legen. Als sie Anonymovitch sahen, grinsten sie in kurz gehässig an, ehe sie ziemlich geordnet lachend den Rückzug antraten.

***

Am Morgen danach fühlte sich Anonymovitch noch immer wie zerschlagen. Seine Stadt brannte nicht mehr, glühte nur noch hier und da, aber trotzdem, der Sachschaden war beträchtlich. Noch dazu hatten die boshaften Piraten fast die gesamten Vorräte an Erdbeerkonfitüre geraubt. Sogar die frischen Erdbeeren, Rohstoff für diesen wichtigen Wirtschaftszweig, hatten sie geklaut oder aufgegessen.
 
"Sicher?" fragte er den zerlumpten Soldaten, der, aus einem Beinstumpf zurückhaltend blutend, wankend vor ihm Bericht erstattete.
"Ja, Sir", brachte der Soldat mühsam hervor. "Sie trugen die Flagge der Nieserländer." Und brach zusammen.
 
"Verdammt", zischte Anonymovitch. "Die Nieserländer. Genau die, die wir am Mittwoch angreifen wollten. Die Nieserländer, die wir für klein und schwach und reich hielten. Wie können denn die -"
 
"Sir, sie haben unsere Flotte nicht versenkt", gab ein Leutnant zu bedenken. "Die lauert draußen bei dieser Felseninsel. Wir können immer noch angreifen."
 
"Und das werden wir, verdammte Axt nochmal!" rief Anonymovitch aus. "Rufen Sie die Offiziere zusammen. Wir laufen heute Abend bei Flut aus. Besorgen Sie eine Schaluppe, um mich zur Flotte zu bringen."

***

Der sanfte Nachtwind wehte das Knarren von Hunderten von Schiffen zu ihm herüber. Auf der Brücke der Tracker fühlte Anonymovitch sich wie der König der Welt - mit dieser Flotte konnte ihn niemand aufhalten. Und die dreimal verfluchten Nieserländer erst recht nicht!
 
"Geben Sie Signal zum Auslaufen!" befahl er, und ein Bootsmann gab ein Glockensignal. Hunderte Ankerketten wurden klirrend hochgezogen. Hunderte Segel wurden gehißt. Zigtausend Registertonnen setzten sich langsam in Bewegung, nahmen Fahrt auf, näherten sich dem Feind, um ihn zu vernichten.
 
"Flotte Ahoi!" gellte es aus dem Krähennest auf dem Mast. "Verdammt große!"
"Mein Fernglas!" verlangte Anonymovitch. Man reichte es ihm. In der Dunkelheit sah er deutlich die Positionslichter von mindestens tausend Schiffen. Großen Schiffen. Augenscheinlich arroganten Schiffen, wenn sie nicht einmal den Versuch machten, unauffällig zu bleiben. Ein Kloß versuchte, ihm in die Kehle zu steigen, doch er unterdrückte ihn heldenhaft.
 
"Leuchtsignale!" rief der Ausguck. "Morsecode!" Ohne dazu aufgefordert zu sein, übersetzte er: "Ahoi, Alexander! Wir haben deine Schiffe vorhin nicht angetroffen... hoffentlich lernen deine Leute schwimmen! Herzlichen Gruß, deine Nieserländer!"
 
"Scheiße", entfuhr es Anonymovitch.
 
"Stimmt", morste die nieserländische Flotte. Anonymovitch hatte keine Zeit, sich darüber zu wundern, denn im selben Augenblick ging der Kanonendonner los. Er blutete, er schluckte Wasser, er schwamm, und dann wurde er ohnmächtig.

***

Anonymovitch erwachte an einem fremden Strand. Die Strömung mußte ihn angespült haben. Hinter einem Hügel stiegen Rauchschwaden gen Himmel, es gab also Bewohner auf dieser Insel...
 
Als er den Hügel erklommen hatte, schwand seine Hoffnung. Die Rauchschwaden stammten von den brennenden Ruinen einer Stadt und den brennenden Wracks einer ehemals stolzen Kaperflotte. Er kannte die Flotte, und er kannte die Stadt - beide gehörten einem Piratenkollegen...
"Die kamen in der Nacht. Keine Chance gegen so eine große Flotte. Die schossen aus allen Rohren, und als die Flotte versenkt war, schossen sie die Stadt in Trümmer, es war furchtbar. Vorhin kam ein Bote von einem unserer Kameraden, dort geschah ähnliches. Nieserländer", fügte Anonymovitchs Kollege überflüssigerweise hinzu.
 
"Scheiße", entfuhr es Anonymovitch. "Man könnte fast meinen, die hätten das gewußt. Kannst du mich nach Hause bringen lassen?"
 
"Wir haben noch ein seetüchtiges Floß..."

***

Dreißig Stunden später erreichte Anonymovitch seine Heimatstadt. Irgendwie kam es ihm so vor, als hätten die Zerstörungen zugenommen, als seien jetzt noch weniger Bürger auf den Straßen unterwegs als am Morgen zuvor.
Ein Wrack mit nieserländer Flagge bestätigte seine Befürchtungen - ein weiterer Angriff. Ein weiterer Tag ohne Erdbeerkonfitüre.
 
"Scheiße", entfuhr es Anonymovitch.
 
"Stimmt", bestätigte eine Stimme in seinem Kopf, in der unverkennbar höhnisches Grinsen lag.
 
"Was zum -!" Einzig Gelächter antwortete ihm.

***

"Wir bitten Sie darum untertänigst, die den Krieg gegen die Piraten der Fast-Südsee einzustellen. Bitte, gewähren Sie uns Frieden!" Die Vertreter der Piraten starrten schamvoll zu Boden, während Störtebekar, der Vertreter der Nieserländer überlegte.
"Na gut. Auch wenn ihr noch nicht dazu gekommen seid, uns den Krieg zu erklären, wie ihr es ja vorhattet, nehmen wir eure Kapitulation vielleicht an. Ihr hört von uns."
 
"Aber wir wollten gar keinen Krieg!" protestierte der Anführer der Piraten pro forma. Störtebekar zog eine Augenbraue hoch und musterte den Piraten abschätzend.
 
"Ohne Krieg keine Kapitulation", stellte Störtebekar fest. "Wolltet ihr Krieg oder nicht?"
 
"Ähm, also, wenn das so ist... dann, ähem, wollten wir, hüstel, wohl doch, also, Krieg, öchöt..." druckste der Pirat.
 
"Na also". Störtebekar erlaubte sich ein dünnes Grinsen.
 
"Puh." Kollektive Erleichterung durchströmte die Piraten. Die Nieserländer kicherten höhnisch, ehe die Delegation ohne weitere Worte die Große Halle der Piraten verlassen wollte.
 
"Achja, eins noch. Wenn ihr jemanden angreifen wollt, dann nehmt bitte Alexander Anonymovitch", rief der Anführer der Piraten den Nieserländern mit zitternder Stimme hinterher. "Wir wissen, daß er uns an euch verraten hat. Wir haben ihn darum aus unserem Bund ausgeschlossen."
 
"Mal sehen", sagte Störtebekar lapidar.
 
"Was! Das ist doch die Höhe!" explodierte Anonymovitch, als die Nieserländer gegangen waren. "Ich soll uns verraten haben? Ihr seid wohl von allen guten Geistern verlassen!"
"Na klar. Du hast ihnen telepathisch alles verraten!" Sein Anführer, sein ehemaliger Anführer, deutete anklagend mit dem Finger auf ihn. "Du mieser Spion! Wenn wir noch Schiffe hätten, würden wir dich selber einstampfen. Aber wir werfen dich auch gerne den Nieserländern vor, du Schwein!"
 
"Tele-" pathisch? hatte er fragen wollen, doch das Wort kam nur halb aus Anonymovitchs Mund. Plötzlich war ihm alles klar. Die Stimmen, das Gelächter, das Gefühl, beobachtet zu werden, wenn er auf dem Abort war, und die rasche Antwort auf seine Entgleisung in der Schlacht... die perfiden Nieserländer hatten seinen Kopf ausspioniert.
 
"Raus hier, ehe wir uns überlegen, daß du besser am Galgen baumelst", zischte ihn der Oberpirat an. Mit hängenden Schultern verließ Anonymovitch die Halle und kehrte nie mehr zurück.
 
Und so geschah es, daß die Piraten eine Kapitulation anboten, noch ehe sie einen Krieg begonnen hatten.
 
Und die Moral von der Geschicht: Leisen Stimmen traut man nicht!

ENDE
 
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